Am Anfang...
Die Anfänge des Ortes Gauerstadt gehen bis ins Jahr 838 zurück. Damals hieß Gauerstadt noch Gunbrathesstadt, wie in einer im Kloster Fulda hinterlegten Urkunde erwähnt wird. Im Jahre 1171 wurde bereits der Name Guberstadt verwendet, wie eine Schenkungsurkunde des Bischofs von Würzburg belegt. In dieser Urkunde wurde die Übertragung der Dorfkirche an das Kloster Mönchröden festgehalten.
Die neuen Gutsherren
Im Mittelalter ließ sich das Adelsgeschlecht "derer von Guberstadt" im Ort nieder und bestimmte fortan den wesentlichen Dorfalltag entscheidend mit.
Erwähnt wurden die Adeligen erstmals im Jahre 1317, im Jahr 1364 herschte Hans von Guberstadt auf der Burg Altenstein bei Maroldsweisach, von wo aus er das ganze Baunachtal regierte. 1434 wurde Apel von Guberstadt zum Schultheiß von Schweinfurt. Ihm folgte ab 1489 der Coburger Landadelige Anthony von Rosenau, der zum neuen Herrn von Guberstadt aufstieg. In der Folge herschten weitere Abkommen der von Rosenau's. Sie fanden alle Ihre letzte Ruhestätte in der Dorfkirche.
Der 30jährige Krieg.jpg)
Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Ort erstmals mit "Gauerstadt" erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1618 und 1648 wurde ein Großteil von Gauerstadt zerstört und die bis zu Beginn des Krieges 350 Einwohner vertrieben, ermordet oder von der Pest oder Hungersnöten dahingerafft.
Im Jahr 1636 lebten noch 50 Menschen in Gauerstadt, ein Großteil der Häuser war unbewohnt, 25 Häuser und Höfe waren im Krieg zerstört worden.
Ende 1636 fielen schwedische Soldaten in Gauerstadt ein und plünderten Häuser und die Dorfkirche aus.
Nach dem Krieg
Nach Ende des Krieges wurden die zerstörten Häuser teilweise wieder aufgebaut, einige Vertriebene kamen zurück und neue Einwohner siedelten sich an. So wuchs die Einwohnerzahl langsam wieder an. Mit dem Nachbarort Billmuthausen, welches zum Herzogtum Sachsen-Hildburghausen gehörte, kam es immer wieder zu Streitigkeiten wegen Verletzung der Holz, - Wasser und Jagdrechte, die teilweise vor dem Gericht endeten.
Steuerlasten und Abgaben im 18. Jahrhundert
1726 bekam Gauerstadt das Braurecht zugesprochen, nachdem es vorher Streitigkeiten mit Rodach deswegen gegeben hatte. Im 18 Jahrhundert hatten die Bewohner von Gauerstadt mit hohen und willkürlichen Steuerbelastungen und zum Teil kostenfreien Unterbringung von Soldaten, zum Bespiel Truppen Napoleons, zu kämfen. Durch immer neue und zum Teil völlig überhöhte Steuern und Abgaben sahen sich manche Einwohner von Gauerstadt gezwungen, ihr Hab und Gut zu verkaufen. Dazu mussten sie sich allerdings erst eine Genehmigung vom Herzog Ernst II. zu Coburg einholen.
Neuausrichtung der Region Coburg
1888 wurden die Orte Niederndorf und Carlshan nach Gauerstadt eingemeindet. Durch eine Volksabstimmung im Jahre 1919, in welcher die Bevölkerung des Freistaates Coburg über den Beitritt zu Thüringen abstimmte und dies mit großer Mehrheit ablehnte, kommt Coburg und damit auch Gauerstadt ein Jahr später, 1920, zum Freistaat Bayern.
Der zweite Weltkrieg
Den zweiten Weltkrieg überstand der Ort bis zum 10. April 1945 weitgehend unbeschadet. An jenem Tag schoss ein Kampgeschwader der Alleierten mit Brandmunition auf Gauerstadt, wobei ein Großteil des Dorfes durch den anschließend größten Brand in seiner Geschichte zerstört wurde. Erschwerend war die Tatsache, daß viele Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Kriegsfeld standen, in Gefangenschaft waren oder gefallen waren.
46 Häuser und Gehöfte fielen dem Großfeuer zum Opfer, 28 brannten bis auf die Grundmauern nieder. Neun Häuser wurden nicht wieder aufgebaut.
Wiederaufbau, Neuanfang und (Zwangs)Trennung
Nach 1945 war zunächst der Wiederaufbau des zerstörten Dorfes Alltagsbestimmend.Viele Häuser wurden wieder hergestellt oder von Grund auf neu gebaut. Dabei ging leider das typisch fränkische Ortsbild mit seinen Fachwerkhäusern teilweise verloren.
Ein großes Problem für die Region Rodach entwickelte sich mit Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Jahr 1949, denn schon drei Jahre später, 1952, begannen die Truppen der DDR erste Zäune und Grenzanlagen zu errichten. Besonders dramatisch war die Lage im Nachbarort Billmuthausen, das sich plötzlich mitten in der Zonengrenze befand. Viele Gauerstadter hatten Freunde und Bekannte im benachbarten Landkreis Hildburghausen, die Kinder aus Billmuthausen gingen nach Gauerstadt in die Schule.
Wenige Tage, bevor die Grenze im Mai 1952 endgültig geschlossen wurde, flüchteten 34 Personen aus Billmuthausen zunächst nach Gauerstadt, vier Familien ließen sich in im Ort nieder. Billmuthausen wurde im Jahr 1978 endgültig dem Erdboden gleichgemacht, nachdem die letzten Einwohner deportiert wurden. Heute erinnert eine Gedenkstätte an die Ereignisse dieser auch für Gauerstadt schwierigen Zeit.
Jüngere Vergangenheit bis Heute
Resultierend durch den Mauerbau in der DDR war das Rodacher Land plötzlich weitgehend vom Umland abgeschnitten, was vor allem wirtschaftliche Probleme hervorrief. Um die Lage zu verbessern, wurden vorrangig die Ortsverbindungen nach Breitenau und Rodach ausgebaut.
Unter Bürgermeister Walter Müller wurde in seinen 22 Jahren Amtszeit bis 1978 unter anderem die Ortsstraßen geteert, ein Kanalisationsnetz aufgebaut und Gauerstadt wurde an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen.

